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Die Bergmänner errichteten Bienenwaben aus Holz, um das Erz zu ersetzen, das sie entfernten. In der langen und abwechslungs- reichen Geschichte des Bergbaus auf dem Comstock traten immer neue Technikprobleme in der Behandlung der Flut des Heißwassers und der Instabilität des umgebenden Bodens auf. Währenddessen jedoch wuchsen die Bergleute mit ihren Aufgaben und wurden große Bergmänner aus blosser Notwendigkeit. Viele Aspekte der Kunst des modernen Bergbaus wurden auf dem Comstock entwickelt und dann zum Rest der Welt vermittelt.
Zwischen 1860 und 1865 vertieften sich die zunächst flachen Gruben auf bis zu 200m Tiefe. Während die Tiefe sich erhöhte, forderten die Gewichtsbeschränkungen der Hanfseile zum Hochziehen der Erzwannen das erfinderische Genie von A. S. Hallidie auf, 1864 ein fein gesponnenes Stahlseil zu entwickeln. Bald wurde es Standard in den westlichen Gruben und wurde auch eingesetzt, die Cable Cars in San Francisco anzutreiben.
Die Anpassung der Cornisch Pump (der Name kommt von Cornwall, England, wo die Pumpe zuerst im Bergbau eingesetzt wurde) hielt Schritt im immerwährenden Wettbewerb mit dem hereinströmenden Heißwasser, aber die Ventilation der Gruben blieb von allen Problemen das schwierigste. Mehr Männer starben bei der Arbeit des Bohrens mit Hammer und Meißel, des Schaufelns und Zimmerns ohne Luftumwälzung, als aus allen anderen Gründen zusammen. 1865 brachte die Einführung der Wurzelgebläse etwas Verbesserung, aber erst 1872 die Einführung der mechanischen Burleigh Bohrgeräte, die durch komprimierte Luft gefahren wurden, brachte reale Entlastung. Die komprimierte Luft belüftete die Arbeiten und ließ auch kleine Gebläse und Winden laufen.
Deidesheimer's Würfel, obgleich glänzend konzipiert, riefen eine neue Herausforderung hervor. Wo konnte ein unbegrenztes Versorgungsmaterial Bauhölzer gefunden werden? In der Gesamt- menge erforderten die Gruben ungefähr 80 Millionen boardfeet Bauholz (etwa 190.000 m3 oder ein Holzwürfel mit einer Kantenlänge von knapp 58 Metern) pro Jahr und zusätzliche 250.000 Schnüre Brennholz (1 Schnur Brennholz entspricht einem Baum mit einer Gesamthöhe von 90 Fuß (knapp 27,5m) und einem Durchmesser von 18 Zoll (gut 45 cm) in Brusthöhe (dbh). Die dbh wird grundsätzlich bei 4.5 Fuß (1,37m) über dem Boden gemessen), die zahlreichen riesigen Dampfmaschinen zu beheizen.
Die nächsten Quellen des Holzes waren die nahe gelegenen Kiefernwälder der Sierra. Sie wurden schnell in einem Radius von 100 Meilen (160 km) abgeholzt und zwangen die Holzfäller, weit, weit weg zu arbeiten. Holz wurde zu den Gruben in sehr großen Lastwagen auf eben errichteten Straßen geschleppt. J. W. Haines ergänzte das Transportproblem durch Einführung der “V flume”, was bald zum Standard bei den westlichen Holzfällern wurde. Der “V flume”, nach seiner Form benannt, ließ Bau- und Feuerholz Meilen die Berge hinabgleiten.
Die silbernen Erze, die in den meisten Gruben des Comstock gefunden wurden, waren in hohem Grade kompliziert aufgebaut. Sie bestanden neben Silber und Gold aus einer Reihe von Mineralien. Das Erz war sehr fein granuliert. Die Behandlung dieser komplizierten Erze erforderte erfinderische Methoden, die Ergebnisse der Hütten zu erhöhen. Es wurden verschiedene Methoden ausprobiert (der jahrhundere alte Patio Process, der bereits von den Spaniern in Mexiko und Peru eingeführt worden war, war zu mühsam, der Freiberg Process führte zu hohen Verlusten an Gold), bis schließlich der Washoe Process für lange Zeit „state of the art“ war. Er industrialisierte den Patio Process und wurde erst um 1895 durch den Cyanide Process abgelöst.
Patio Process: Diese Methode der Verarbeitung des Erzes zur Silbergewinnung war langsam und gewann nicht das ganzes Silber. Auch benutzte es die verwendeten Reagenzien nicht so gut wie möglich und die klimatischen Bedingungen verursachten Probleme (Kälte). Das Metall wurde in kreisförmigen offenen Behältern (arrastras, spanisch für schleifend ziehen) gerieben, Wasser, Quecksilber, Salz und Raffinadekupfer und Eisensulfide wurden hinzugefügt. Die erste Reaktion wandelte die Silberverbindungen in reines Silber um, dann wurde das Silber von den restlichen Materialien getrennt und aus Silberverbindungen herausgelöst.
Freiberg Process: Das Erz wurde trocken zerstampft, chloridiert, in Öfen geröstet und in rotierenden Fässern verschmolzen. Das war ein langsames und teures Verfahren. Zwar war es sehr erfolgreich bei der Silbergewinnung, dabei aber schlecht in der Goldausbeute (ca. 50% des Goldes gingen verloren).
Washoe Process: (benannt nach einem Indianerstamm, der den Bereich um den Lake Tahoe bewohnte und dem benachbarten County den Namen gab) Verbesserte den Prozeß des Heizens des Erzes während der Silbergewinnung in einer Eisenwanne bei Erhöhung der Ausbeute und Verringerung der Verarbeitungszeit. Dabei diente das Eisen der Wanne als das Reduktionsmittel für das Silber (2AgCl + Fe = 2Ag + FeCl2). Zusätzlich half das Heizen des Reaktionsgemisches bei der Anordnung des Amalgams des Silbers mit Quecksilber. In dieser Reaktion wurde das Quecksilber nicht in eine Quecksilber-Chlorverbindung umgewandelt, also mußte Queck- silber nicht hinzugefügt werden. Die Eisenpfannen und -mixer wurden zwar in dem Prozeß verbraucht, konnten aber leicht ersetzt werden. Das Verfahren basierte auf dem Patio Process, leistete aber mehr in sechs Stunden als der Patio Process in einem Monat.
1865, sechs Jahre nach seiner Entdeckung, schien das Comstock am Ende zu sein. Wie erwähnt, hatten die flachen Erzadern bei 200m geendet, sehr zum Schrecken der Bergleute und der Börsenspeku- lanten. Ihre Hoffnungen waren unerschöpfliche Silbergruben wie in Mexiko und im zentralen Europa gewesen. Der Marktwert aller Gruben war von $40 Million 1863 bis $4 Million im Dezember 1865 gefallen. Zehntausend Leute verließen das Washoe Valley zwischen 1864 und 1866. Millionen Dollar waren in die Vertiefung der Gruben und in Tunnels vergebens ausgegeben worden.
Die Comstock Gruben waren ein Synonym für Aktienmanipulierung geworden. Die Gruben wurden häufig zum alleinigen Zweck der Kursmanipulation gekauft. Ein gut gehandhabter Börsendeal war für die meisten Käufern akzeptabel, Käufer mit Interesse an der tatsächlichen Entwicklung des Erzes waren in der Minderheit. Es ist dabei zu bedenken, daß Männer durch die Standards der Zeiten beurteilt werden sollten, in denen sie leben. In diesen Zeiten spielte jeder mit Bergwerksaktien und jeder wußte, daß es ein Spiel war. Die Zeiten hatten professionelle Lügner hervorgebracht, deren Geschäft es war, ahnungslose Investoren zu verleiten. Dieses Verhalten an der San Francisco Börse gab Antrieb zur Notwendig- keit, die Securities and Exchange Commission einzurichten, um solche illegalen Tätigkeiten zu regulieren.
Die Jahre 1866-1869 waren ziemlich ertragreich. Grube nach Grube fand zusätzliche Erzadern. Die Aktienkurse stiegen stetig. Das Problem mit den nachströmenden Warmwasserquellen war unter Kontrolle. Jedoch erhöhten sich die Kompliziertheit und die Unkosten des Bergbaus. Das Wasser mußte entsorgt werden. Und es wurden Unmengen an Frischwasser und Eis benötigt, die mühsam über die Berge herangeschafft werden mußten.
In 1864 schlugen die Gold Hill News vor, daß ein Haupttunnel gegraben wird, der zur Trockenlegung aller Gruben fähig ist, um das Problem dauerhaft zu lösen. Die Idee wurde vom dynamischen Unternehmer Adolph Sutro bereitwillig aufgenommen, der eine Hütte am Carson River besaß. Sutro überzeugte die Nevada Gesetzge- bung, ihm ein Vorrecht zu bewilligen, um diesen Tunnel vom Fluß zur Lode zu bauen, einem Abstand von fast 4 Meilen. Er förderte die Meinungsbildung, daß der Tunnel nicht nur die dringend benötigte Ventilation und die Be- und Entwässerung liefern würde, er würde auch als unterirdische Landstraße dienen, Erz zu den Hütten zu transportieren.
Sutro schlug vor, den Tunnel durch Aktien und Obligationen und durch eine Abgabe von $2 auf jede Tonne produzierten Erzes zu finanzieren. Sutro's agressive Persönlichkeit reizte die Grubeninhaber so, daß sie seine Bemühungen blockierten. Erst 1871, nachdem die restliche Finanzierung durch die Bank von McCalmont Brothers and Company in England sichergestellt wurde, konnte er anfangen zu graben. Die Aufgabe stellte sich als so schwierig heraus, daß es sieben Jahre dauerte, um sie durchzuführen, und er erreichte die Lode 1.650 Fuß unterhalb der Oberfläche. Der Tunnel kam in der Lode an, nachdem bereits das ganze Erz über 1.650 Fuß entfernt worden war, und einige Adern waren bereits 1.500 Fuß tiefer.
Obgleich der Tunnel das Pumpen ein wenig vereinfachte, tat er wenig für die schlechte Ventilation. Bis die Luft durch den langen Tunnel draußen war, hatte sie die gleiche Temperatur wie die Luft, die von der Oberfläche nachströmte. Erz wurde niemals durch den Tunnel entfernt, noch wurde irgendwelches entdeckt, während er gegraben wurde. Sutro persönlich verlor kein Geld, aber sein Renommee als Mineningenieur wurde getrübt. Bevor die Aktien der Tunnelgesellschaft einbrachen, verkaufte er seine Anteile und zog sich als Millionär nach San Francisco zurück.
1869 nach einigen Jahren der geringer Förderung waren die Gruben und die Hütten des Comstock in die Kontrolle durch die Bank von Kalifornien unter Leitung von William Sharon und William Ralston gefallen. Durch Hochzinsdarlehen und folgenden gerichtlichen Vollstreckungen zog die Bank ihren Griff fest. Sharon und Ralston begannen, die Virginia and Truckee Railroad zu bauen, um die Kosten des Erz- und Bau- und Feuerholztransports mit Lastwagen wesentlich zu verringern und die Extraktion des minderwertigen Erzes anzuregen. Sie erreichten damit sogar grössere Profite als durch die Hütten, die mittlerweile der Bank gehörten.
Die Bank ließ eine Werbekampagne laufen, und die Leute der Region reagierten enthusiastisch. Storey and Ormsby Counties gaben gegen Zusage erhöhter Steuern auf die Eisenbahn $500.000. Die Gruben gaben $700.000, die als Rabatte auf Fracht wiedergewonnen werden sollten. Als die Frage der Besteuerung aufgeworfen wurde, wiesen die Finanzberichte der Railroads überraschende Zunahmen der Aufbaukosten aus und verwickelten die Counties über Jahre in Gerichtsverfahren.
Nicht unter der Steuerung der Bank war die Hale und Norcross Mine. Vier Iren begrenzter Ausbildung aber geschickter Fähigkeit verbanden sich, um ihre Vermögen zu machen. John Mackay hatte auf der Lode seit den frühen Jahren gearbeitet. Als fähiger Besitzer der Kentuck Mine hatte er ein kleines Vermögen erwirtschaftet. James G. Fair kam zum Comstock vom Angel's Camp Bergbaubereich Kaliforniens und war Betriebsleiter der Ophir Mine und später der Hale und Norcross Mine gewesen. Er war ein ehrgeiziger, knausriger Geschäftsmann und ein fähiger Grubenbetriebsleiter. James C. Flood war der Repräsentant der Bonanza-Firm in San Francisco und hatte ein Talent für Börsengeschäfte. O'Brien, ein Salooninhaber, war Geschäftsführer der Gruppe und ehemaliger Partner von Flood.
Die Hale und Norcross Grube war verschwenderisch von der Bankmasse gehandhabt worden und nach einigen Jahren von Fehleinschätzungen der Betriebskosten ließ die erwartete Dividende nach und der Wert fiel unter $50 pro Anteil. Da schlossen Mackay, Fair, Flood und O'Brien in einem mündlichen Vertrag, dafür zu sorgen, die Mehrheit an den Anteilen zu erreichen. Flood begann umsichtig, die Aktien aufzukaufen. Bevor die Bank richtig wußte, wer er war, hatte das neue Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung an der Grube.
Bei der folgenden jährlichen Sitzung wurde Mackay zum Verwalter gewählt, Flood zum Präsidenten ernannt und Fair wurde Betriebsleiter. Es wurde sofort begonnen, die Grube zu erweitern und sie zahlte im frühen 1870 Dividenden. Im Rausch des Erfolgs suchte das neue Unternehmen nach einer anderen Grube, um sie zu kaufen. In 1871 wurde die Consolidated (Con) Virginia als gutes Bergwerksgeschäft gesehen. Während der vorhergehenden zehn Jahre hatten die sechs kleinen Gruben, die sich zur Con Virginia zusammengeschlossen hatten, $100.000 ohne irgendeinen Gewinn für die Investoren verbraucht. Mit der Ophir zum Norden und der Best & Belcher zum Süden, beide in hohem Grade produktive Gruben, war die Firma überzeugt, in grösseren Tiefen Erz finden zu können.
Im April 1871 fing Flood an, vorsichtig Aktien zu kaufen. Bei der jährlichen Aktionärsversammlung im Januar 1872 hatten sie die Mehrheit einer weiteren Grube. Flood und O'Brien wurden Verwalter, Mackay Präsident und Fair wurde ein weiteres Mal zum Betriebsleiter ernannt. Erst als auf einem Level von 1200 Fuß Tiefe eine weitere Ader gefunden wurde, ließ er die Arbeit wieder aufnehmen. Die Aktien der Firma wurde gesplittet, aus 11.600 Anteilen wurden 23.600 im Mai 1872. Im Oktober 1873 wurden sie erneut gesplittet, es entstand eine Gesamtmenge von 108.000 ausgegebenen Aktien. Es war Art des Unternehmens, den Preis der Aktien auf gemäßigtem Niveau zu halten, um den Markt zu erweitern. Das Unternehmen spielte mit offeneren Karten ein faireres Spiel als die meisten und machte weder falsche Angaben noch griff es je zu Tricks.
Die Grube war bald für die Öffentlichkeit geöffnet, und die Besucher kamen in Scharen, die eben reorganisierte Grube zu begutachten. Das Erz war so unerwartet gefunden worden, daß Leute sich fragten, wie lange es andauern würde. In spätem Frühling 1872 fing die Con Virginia an, die angrenzenden Gruben zu erwerben, um die Erz-Übernahme durch eine andere Grube zu verhindern. Im Dezember 1873 wurde aus den Neuanschaffungen der Firma eine neue Grube gebildet und als California benannt. Jetzt gab es zwei außergewöhnliche Gruben, die Con Virginia und die California, jede mit 108.000 ausgegebenen Aktien.
Das Unternehmen fing sofort an, einen gemeinsamen Förderschacht 1.000 Fuß östlich der vorhandenen Schächte zu graben. Dieser war der größte bis jetzt gebaute und der ersten der dritten Linie an Schächten. Während diese zwei Gruben fortfuhren, ihre Grabungen bis auf 1200, 1300 und 1400 Fuß zu senken, erhöhte sich der Wert und die Menge des Erzes. In 1874 wurden zwei neuen Hütten gebaut, die einen Vertrag zur Aufarbeitung des Erzes der beiden Gruben erhielten. Mackay, Fair, Flood und O'Brien ließen diese unter dem Namen Pacific Mill and Mining Company eintragen.
Ein glühender Bericht dieser Big Bonanza erschien am 25. Oktober 1874 im Territorial Enterprise mit der Aussage, daß die große Erzader die California und die Con Virginia Gruben überspannt und daß in größerer Tiefe in der Grube ein Punkt erreichet werden könnte, ab dem das Erz nicht mehr aus reinem Silber bestehen könnte. Die Probestücke, die vom 1500-Fuss-Niveau geholt wurden, waren jetzt fast von reinem Silber. Es waren Berichte wie dieser, die die Börse verrückt machten. Bis zum Januar 1875 überstieg der Marktwert der dreißig führenden Gruben $250 Millionen.
Plötzlich kamen die Spekulanten zu Verstand. Fast alle Aktien waren auf Kredit gekauft und es gab nicht genügend Geld im Westen, um mehr als einen Teil der Aktien zu Geld machen zu können. Innerhalb von 24 Studen Stunden verloren die teuersten 10 Gruben fast $18 Millionen an Wert. Im Februar aber begann die Erholung. Das Geschäft fing an zu boomen, die Bevölkerungszahl von Virginia City näherte sich der fünfundzwanzigtausend, und Leute kamen schneller in die Stadt, als Gebäude errichtet werden konnten.
Die Bonanza Gruben erhöhten ihre Dividenden von $3 auf $10 pro Monat und fuhren fort, ihre eigene Bank, die Nevada Bank von San Francisco zu gründen. Es wurde gesagt, daß diese Bank, gegründet mit $10 Millionen in Goldbarren, die reichste Bank Amerikas wäre. Ohne daß es jemand zuvor bemerkte, machte die Bank von Kalifornien am 26. August 1875 Bankrott und setzte ihre Aktivitäten aus. Unter der Führung von William Ralston war die Bank von Kalifornien das führende Geldinstitut für Jahrzehnte gewesen, jetzt war sie ein weiteres Opfer der Börsenspekulationen geworden. Sie brauchte zwei Monate und Finanzspritzen von $8 Millionen, um das Kapital wieder herzustellen und die Geschäfte wieder aufzunehmen.
Der frühe Morgen des 26. Oktober 1875 war der schlimmste Augenblick für Virginia Ciy. Am Ende eines nächtlichen Saufgelages im Haus von „Crazy“ Kate Shea in der A Street zwischen Taylor und Union fiel jemand über eine Petroliumlampe. Als die Lampe explodierte, sprühten die Flammen in alle Richtungen. Kate und ihre verdatterten Gäste flohen und gaben dem Feuer Gelegenheit, sich auszubreiten. Innerhalb von zwanzig Minuten brannten etwa dreißig Häuser. Das Wasser war abgestellt, wie es zu der Zeit immer von 18.00 bis 6.30 Uhr geschah. Als es wieder angestellt war, leerten sich die Voratsbehälter schnell. Es war nicht genug Wasser da, um die Stadt zu retten. Nur die Gould and Curry Zisterne hatte genug Wasser, um die südlichen Minen und Teile der Stadt zu retten.
Die große Furcht der Bergleute war, daß das Feuer in eine Grube eindringen könnte wie es in 1869 in der Yellow Jacket Mine bei Gold Hill geschah. Innerhalb von weniger als vier Stunden lagen die grössten Teile von Virginia City und die Fördertürme der Con Virginia und der Ophir in Schutt und Asche. Die neuen Hütten der Bonanza Firmen Con Virginia und California waren zerstört. Das Herz der Stadt, insgesamt über eine halbe Quadratmeile, brannte komplett nieder. Zweitausend Leute verloren ihr Zuhause.
Jede mögliche Vorsichtsmaßnahme wurde getroffen, um das Feuer daran zu hindern, in die Minen einzudringen. Die Schächte wurden auf 30 cm unterhalb des Erdbodens gesenkt, und Schmutz und Erz wurden an den Stutzen angehäuft. Dies konnte aber die Ophir Grube nicht schützen. Sie brannte bis auf 400 Fuß unter der Erde. Das alles führte später zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen der Wassergesellschaft und der Stadt. Während die Wassergesell- schaft der Stadt dabei vorwarf, daß es überhaupt nur sechs Hydranten in Virginia City gab, führte die Stadt an, daß das Wasser nicht zur Verfügung stand.
Von den vier Bonanza-Bossen lebten nur Mackay (zeitweise) und Fair in Virginia City. Beide verloren ihr Zuhause. Während Fair sich ein neues Haus baute, wohnte Mackay zunächst während seiner Aufenthalte in seinem Büro und zog zwei Jahre später in die oberste Etage des dann neu erbauten Hotels, wann immer er in der Stadt war.
Das gewinnträchtigste Jahr des Comstock kam 1876. Virginia City wurde nach dem Feuer fieberhaft wieder aufgebaut. Die Minen beschäftigten mehr Leute als je zuvor. Die Bevölkerung von Virginia City war bei dreißigtausend angekommen. Die Con Virginia und die California Mine förderten 1.000 Tonnen Erz täglich. Beide Gesellschaften zahlten Monatsdividenden von mehr als $1 Million. Alle großen Minen förderten mittlerweile in Tiefen von 4.000-4.500 Fuß. Niemand hatte irgendwelche Zweifel, daß in größerer Tiefe weitere Adern gefunden werden würden. Die Kontrolle der Gruben lag in den Händen von zwei Gruppen: Dem Bonanza-Unternehmen von Mackay, Fair, Flood und O'Brien und der Bank of California.
Die Eisenbahn war mit Erz, Bauholz und Fracht überlastet. Virginia City war so voll mit Leuten, daß die Straßen fast unpassierbar waren. Der jetzige Wohlstand basierte auf der Produktion des Erzes. Von den 135 Comstock Gruben, die an der Börse von San Francisco gehandelt wurden, zahlten nur drei Dividenden: die Con Virginia, die California und die Belcher. Alle andere waren Steuerabschreibungen. Die Belcher zahlte ihre letzte Dividende in dem Jahr. Die Con Virginia und die California beendeten die Förderung auf dem Niveau 1650 Fuß. Die Inhaber der Aktien verloren an der Börse und verkauften ihre Bestände.
Die Suche nach einer anderen Bonanza wurde bis zur Tiefe von 3300 Fuß fortgesetzt. Der Ruhm des Comstock hörte in den späten 1870ern auf. Die meisten erfahrenen Bergmänner waren in andere Regionen verzogen. Das Comstock produzierte Gold und Silber im Wert von $400 Millionen während seiner zwanzig Jahre der Hochkonjunktur und führte den Westen aus der ökonomischen Abnahme, die in den Kalifornischen Goldminen stattfand. Das Gold und Silber aus Virginia City baute San Francisco auf, finanzierte den Bürgerkrieg, ließ Männer nach weiteren Gruben des Westens suchen und bildete die Grundlage der Bergwergstechnik der kommenden Jahre.
Abschließend ist noch zu vermelden, daß Mackay und Fair als gerechte Männer angesehen waren. Allerdings waren sie nicht gleichermaßen beliebt. Mackay war als Wohltäter bekannt und hatte ein Herz für die Kinder. Beispielsweise sorgte er dafür, daß sie in Pipers Opera House die Vorstellungen sehen konnten, indem er ihnen den Eintritt bezahlte. Fair hingegen war eher hinterhältig. Als er einmal in der Mine Tabakgeruch vernahm, tat er so, als würde er jetzt gerade alles für eine Pfeife voll Tabak geben. Er wiederholte die Frage danach so lange mit einer Unschuldsmine, bis einer der Bergleute die Pfeife aus einer Ritze holte und sie Fair anbot. Dieser nahm einen Zug und sagte im Hinausgehen zum Vormann, daß der pfeifenrauchende Bergmann zu entlassen sei.
Sicher war das Rauchen aufgrund seiner Gefährlichkeit strengstens untersagt. Doch Mackay hätte eine andere Strafe gefunden, die dem Bergmann nicht den Job gekostet hätte. Eine andere Geschichte: Ein Bergmann, der seine Gesundheit der Mine geopfert hatte, hatte nicht mehr genug Geld für Feuerholz. Als Fair davon erfuhr, sagte er: „Jim, schick dem Almosenempfänger mit gebrochenem Kreuz eine Ladung Holz“. Es war also weniger, was er tat, sondern mehr, wie er es tat.
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